Angesichts des bisher nicht möglichen Einblicks in ärztliche Abrechnungen, fehle den Versicherten noch immer das Bewusstsein dafür, was medizinische Leistungen eigentlich kosten. Mehr Transparenz sei hier auch angesichts der Häufigkeit der Arztbesuche in Deutschland überfällig, meinte Rösler. Mit 17,5 Arztbesuchen pro Jahr und Versicherten liegt die Bundesrepublik in Europa an der Spitze.
30 Milliarden Euro Umsatz werden heute in den deutschen Kur- und Heilbädern erwirtschaftet. 300.000 Menschen arbeiten im Kur- und Bäderwesen. Weil die Krankenkassen, entgegen offiziellen Zusicherungen, immer weniger ambulante Vorsorgekuren genehmigen, fordern die Kurorte seit Monaten, solche Kuren als Regelleistungen in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen. Diese Forderung wurde auch bei den Bad Füssinger Gesprächen in Europas führendem Kurort am Montag laut. Die Heilbäder verweisen dabei auf Studien, wonach die Investition von einem Euro in Prävention letztendlich dem Gesundheitswesen drei Euro bei der Krankenbehandlung spart.
Rösler lehnte die Übernahme der Kuren ins Pflichtprogramm der Krankenkassen aber auch in Bad Füssing ab. Den Kurorten gehe es gut, die Talsohle aufgrund des drastischen Rückgangs der Reha- und Vorsorgekuren in den letzten Jahren sei durchschritten, meinte Rösler.
Deutschlands Kurorte sehen in der Prävention, also Programmen zur aktiven Krankheitsvermeidung, eine ihrer großen Zukunftschancen. Ungeachtet aller Bekenntnisse zur Prävention auf bundes- wie auf landespolitischer Ebene, kam es auch bei der Genehmigung wohnortferner Präventionsmaßnahmen in den letzten Monaten zu drastischen Kürzungen der Kassenetats. Auch in diesem Punkt hielt Rösler sich in Bad Füssing auffallend zurück. Verhaltensänderung durch Bewusstseinsänderung könne in erster Linie durch die Autorität der Ärzte erreicht werden, meinte Rösler. Welche Rolle die Kurorte dabei spielen können, ließ er offen.
Rösler hatte bereits am Vortag die Verantwortlichen des Bayerischen Heilbäderverbands irritiert. Eine Einladung zum Bayerischen Heilbädertag im Bad Füssinger Nachbarort Bad Griesbach hatte er abgelehnt, obgleich er sich im Vorfeld der Bad Füssinger Gespräche nach Informationen des Verbands in der Region aufhielt.
- 20.10.10 - Artikel empfehlen ...

